40 Jahre Peter Dornier-Stiftung: Vier Jahrzehnte gemeinnütziges Engagement für Mensch, Kultur und Umwelt in Lindau, Deutschland und weltweit
Das Hospiz „Haus Brög zum Engel“, der historische Bauernhof „Haug am Brückele“ und zahlreiche weitere Projekte: Seit über 40 Jahren unterstützt die Peter Dornier-Stiftung das soziale und kulturelle Leben in Lindau und darüber hinaus. Die unternehmensnahe Stiftung blickt auf mehr als 500 geförderte Projekte in Deutschland und weltweit zurück. Gegründet wurde sie 1985 von Peter Dornier, Firmengründer und langjähriger Geschäftsführer des internationalen Maschinen- und Anlagenbauers Lindauer DORNIER, von dessen Gewinn über eine Holding jährlich zehn Prozent in die Stiftung fließen. In Zukunft will die Stiftung ihr Engagement noch gezielter ausbauen.
Vom Abrissprojekt zur Begegnungsstätte: Haug am Brückele
Seit ihrer Gründung unterstützt die Peter Dornier-Stiftung das kulturelle und soziale Leben in Lindau und der Region. Zu den geförderten Projekten, oft in Zusammenarbeit mit anderen Stiftungen, zählen unter anderem die Lindauer Nobelpreisträgertagung, der Konzertsaal im Stadttheater, der Rokokosaal im Landratsamt, der Lindauer Kammerchor sowie der historische Bauernhof „Haug am Brückele“ in Lindau-Reutin. Der einsturzgefährdete Hof, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, sollte im Jahr 2002 abgerissen werden. Damals erwarben Maja Dornier und die Stiftung das Anwesen und schufen so die Grundlage für seine Rettung. „Mein Mann fuhr jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an dem Hof vorbei und war immer begeistert von dem blühenden Bauerngarten“, erinnert sich Maja Dornier, die seit dem Tod ihres Mannes Peter Dornier im Jahr 2002 die Stiftung als Vorsitzende leitet. Gemeinsam mit der damaligen Kreisbäuerin Luise Mussack und Anneliese Spangehl, ehemalige Stadträtin und heute Ehrenbürgerin der Stadt Lindau, bewahrte sie den Hof damals vor dem Abriss.
Um ihn wieder mit Leben zu füllen und einem pädagogischen Zweck zuzuführen, übergab die Peter Dornier-Stiftung die Betreuung an den eigens dafür gegründeten Verein „Bauernhof für Jung und Alt – Haug am Brückele“. Dieser setzte den alten Bauernhof über die Jahre mit viel ehrenamtlicher Arbeit instand. Seitdem wird der Hof als generationenübergreifender Treffpunkt durch das große Engagement Lindauer Bürgerinnen und Bürger wie Klaus Burger, Stadtbaudirektor i. R. betrieben. Kindergartengruppen und Schulklassen dient der Haughof als lebendiger Lernort: Sie verarbeiten hier Obst zu Saft, machen Pommes aus selbst geernteten Kartoffeln, färben Kleidung mit Pflanzenfarben und versorgen die Tiere. „Was die Familie Löhr hier mit den Kindern auf die Beine stellt, ist einfach großartig“, sagt Maja Dornier. Zu Aktionstagen, Jazz-Matinees oder den legendären Festen wie dem Mohnblumenfest und „Weihnachten wie früher“ kommen zahlreiche Lindauerinnen und Lindauer aller Altersklassen zusammen. „Eine Jazz-Matinee hier muss man mal miterlebt haben – da kommen alle mit Kind und Kegel“, freut sich die Stiftungsvorsitzende. „Ich finde es wunderbar, dass der Hof in Zeiten, in denen so viele allein vor dem Bildschirm sitzen, zu einem Ort des Miteinanders geworden ist.“
Pionierleistung in der Hospizarbeit: Haus Brög zum Engel
Ein weiterer lokaler Schwerpunkt der Peter Dornier-Stiftung ist die Unterstützung der Hospizarbeit, die besonders Maja Dornier am Herzen liegt. Geprägt wurde ihr Hospiz-Engagement durch eine frühe persönliche Erfahrung: Als Pflegehelferin auf der Krebsstation des Londoner Universitätsklinikums musste sie in den 1950er-Jahren miterleben, wie bei sterbenden Patientinnen und Patienten einfach die Vorhänge zugezogen wurden. „Das hat mich nie wieder losgelassen“, erinnert sie sich. Vor diesem Hintergrund gründete sie 1986 gemeinsam mit Christa Popper, Leiterin der “Krebsnachsorge” (verstorben 2003), den „Ambulanten Besuchsdienst für Kranke und Sterbende“ – eine der ersten Hospizgruppen ihrer Art in Deutschland. „Wir sind damals einfach in Krankenhäuser, Pflegeheime und zu den Menschen nach Hause gegangen, um sie zu begleiten“, erzählt Maja Dornier.
Aus den Erfahrungen in der ambulanten Sterbebegleitung erwuchs der Wunsch nach einem festen Ort, an dem schwerkranke und sterbende Menschen in geschützter Atmosphäre würdevoll begleitet werden können. Ein Sponsoring der Peter Dornier-Stiftung trug dazu bei, dass das historische Bürgerhaus „Brög zum Engel“ in Lindau-Aeschach für diesen Zweck angemietet werden konnte. Die Mitglieder des Besuchsdienstes für Kranke und Sterbende krempelten selbst die Ärmel hoch, richteten das leerstehende Haus mit gebrauchten Möbeln ein und machten es wieder bewohnbar. Sie gründeten den Verein „Hospizzentrum Haus Brög zum Engel“, der das stationäre Hospiz seither in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen unter dem Vorsitz von Maja Dornier leitet. So entstand mit dem Lindauer Hospiz eines der ersten stationären Hospize in Bayern. Heute werden hier in acht Gästezimmern rund 70 Gäste im Jahr in ihrer letzten Lebensphase von professionellen Pflegekräften und geschulten ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern begleitet.
Für ihr jahrzehntelanges Engagement wurde Maja Dornier, in der Presse einmal als „Pionierin der deutschen Hospizbewegung“ bezeichnet, unter anderem 2016 mit dem Stifterpreis der Bayerischen Stiftung Hospiz und bereits 2012 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Um den Erhalt des Hospizes langfristig zu sichern, rief sie 2007 zudem die Maja-Dornier-Hospizstiftung ins Leben, die das Anwesen Brög zum Engel erwarb und mit finanzieller Unterstützung der Peter Dornier-Stiftung einen notwendigen Anbau realisieren konnte.
Von der Liszt-Orgel bis zum Prothesen-Projekt in Äthiopien
Trotz ihrer lokalen Verwurzelung ist die Peter Dornier-Stiftung auch weit über Lindau hinaus aktiv. In ihren 40 Jahren hat sie insgesamt mehr als 500 Projekte und Organisationen in Deutschland und weltweit unterstützt – oft über viele Jahre. So ermöglichte die Stiftung unter anderem die Sanierung zahlreicher Kirchen, viele davon in den neuen Bundesländern – ein prominentes Beispiel ist die Liszt-Orgel in der Dorfkirche in Denstedt bei Weimar. Auch der Thomanerchor Leipzig und die Junge Deutsche Philharmonie wurden gefördert.
International umfasst das Engagement der Stiftung beispielsweise den Bau eines Staudamms als Wasserreserve und eines Bildungszentrums in Kenia, Straßenkinderprojekte in Mexiko und Bolivien, den Schutz des Tropenwaldes in Guatemala und Brasilien, archäologische Ausgrabungen in der Türkei sowie medizinische Projekte für Kinder in Äthiopien. Auf letztere hat der Unfallchirurg Prof. Dr. Wolf Mutschler ein besonderes Auge: Der Mediziner, der Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist, war von 1999 bis 2012 Ärztlicher Direktor der Chirurgischen Klinik und Poliklinik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begleitet die Arbeit der Peter Dornier-Stiftung seit 2014 zunächst im Beirat und inzwischen im Vorstand.
„Eigentlich müsste man fragen, was die Stiftung nicht macht“
„Wenn jemand fragt, was die Peter Dornier-Stiftung macht, sage ich manchmal: ‚Eigentlich müsste man fragen, was sie nicht macht‘“, sagt Maja Dornier und lacht. Die von Peter Dornier, Maja Dornier und dem langjährigen Stiftungsbeirat Dr. Heinrich Ahner verfasste Satzung der Stiftung ist ganz bewusst breit gefasst, um die vielfältigen Interessen ihres Stifters widerzuspiegeln. Sie reicht von Umwelt-, Natur- und Artenschutz über Heimat- und Denkmalpflege, öffentliche Gesundheit, Bildung und Entwicklungshilfe bis hin zu Kunst, Kultur und Sport.
Schon früh schloss die Stiftungstätigkeit auch Wissenschaft und Forschung ein – zwei Bereiche, die dem Ingenieur und Flugzeugkonstrukteur Peter Dornier, Sohn des Luftfahrtpioniers Claude Dornier, besonders nahe waren. So förderte die Stiftung Ende der 1980er-Jahre den Aufbau des Interdisziplinären Zentrums für Wissenschaftliches Rechnen an der Universität Heidelberg, an der Peter Dornier als Förderer und Ehrensenator wirkte. Im Jahr 1990 ermöglichte sie mit der Förderung eines Lehrstuhls für Wissenschaftlichen Naturschutz an der Philipps-Universität Marburg die erste Vorlesung zu diesem Thema in Deutschland.
Auch die Weitergabe von handwerklichem Wissen war dem Stifter wichtig. So unterstützte er bereits vor der Stiftungsgründung den erfahrenen Handweber und Jacquard-Spezialisten Hermann Wendlinger. Wendlinger baute, auch mit Unterstützung der Peter Dornier-Stiftung, in Wangen im Allgäu den Verein „KUHAtex“ zur Pflege des textilen Kunsthandwerks auf. Der heute über 80-Jährige vermittelt dort auf historischen Handwebstühlen textile Grundfertigkeiten des Spinnens und Webens. Auch Auszubildende von DORNIER können hier auf freiwilliger Basis ein tieferes Verständnis dafür erwerben, was im Inneren der hochkomplexen Webmaschinen des Unternehmens abläuft, mit denen hochspezialisierte Zulieferer unter anderem Airbags an einem Stück weben oder sogar leichte und zugleich hochfeste Turbinenteile für moderne Flugzeuge herstellen.
Gewebte Herzklappen und faltbare Flugzeugflügel: Der Peter Dornier-Stiftungspreis
Das Jahr 2021 markiert einen besonderen Meilenstein in der 40-jährigen Geschichte der Stiftung: In diesem Jahr wurde erstmals der Peter Dornier-Stiftungspreis verliehen. „Mein Mann war immer ein Förderer junger Menschen“, erinnert sich Maja Dornier. „Zu sehen, wie Auszubildende in seinem Unternehmen ihren Weg gingen, hat ihn unheimlich gefreut.“ Deshalb sei es ihr ein besonderes Anliegen gewesen, anlässlich des 100. Geburtstags von Peter Dornier einen Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten junger Talente ins Leben zu rufen. Inzwischen wurde der mit 5.000 Euro dotierte Preis an junge Forschende verliehen, die eine gewebte Herzklappe entwickelten, neue Erkenntnisse zur Reduktion von Lärm und Oberflächenhitze bei Luft- und Raumfahrzeugen erlangten, eine neue Webtechnologie zur Herstellung von komplexen 3D-Geweben entwickelten oder bionisch inspirierte Forschung zu faltbaren Flugzeugflügeln betrieben. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von einer Fachjury ausgewählt, der auch Dr. Adnan Wahhoud angehört. Er leitete 26 Jahre lang die Entwicklungsabteilung Luftdüsenwebmaschinen bei DORNIER. Der gebürtige Syrer engagiert sich zugleich mit dem Projekt „Medical Points“, das auch von der Peter Dornier-Stiftung unterstützt wird, für eine kostenlose medizinische Grundversorgung von Kindern und Familien in Syrien.
Der Peter Dornier-Stiftungspreis soll auch in Zukunft herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf den Arbeitsgebieten des Stifters in den Bereichen Web-, Folien- und Faserverbundtechnik sowie der Luftfahrt würdigen und damit dessen Vision, zukunftsweisende Innovationen zu fördern, weiterleben lassen. „Ich bin mir sicher: Wäre mein Mann länger gesund geblieben, hätte er einen solchen Preis selbst ins Leben gerufen“, so Maja Dornier.
Verantwortung über Generationen
Auch wenn Peter Dornier die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers bereits in frühen Aufzeichnungen aus den 1940er-Jahren für sich als Leitmotiv formulierte, blieben Spenden für ihn lange Zeit eine rein private Angelegenheit. „Es hatte Tradition bei ihm, dass er sich sonntags in sein Arbeitszimmer zurückzog, um sich dort wohltätigen Zwecken zu widmen“, erinnert sich Sohn Peter D. Dornier, langjähriger Geschäftsführer von DORNIER und heute Aufsichtsratsvorsitzender des Familienunternehmens. Das änderte sich, als 1985 die Daimler-Benz AG die Mehrheitsbeteiligung an der Dornier-Unternehmensgruppe übernahm. Im Zuge der Neustrukturierung gelang es Peter Dornier, die Lindauer DORNIER, die damals noch zur Dornier-Gruppe gehörte, aus dem Verbund zu lösen und als unabhängiges Familienunternehmen zu erhalten. Bei den komplexen Verhandlungen wurde er juristisch von Prof. Dr. Dieter Feddersen unterstützt, der später langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der Lindauer DORNIER war. Dieser spielte auch eine zentrale Rolle bei der Gründung der Peter Dornier-Stiftung, deren Vorstand er bis zu seinem Tod im Jahr 2016 angehörte. „Dieter Feddersen hat maßgeblich dazu beigetragen, dass mein Vater sich seinen Herzenswunsch erfüllen konnte, sich als Unternehmer selbstständig zu machen und zudem mit der Stiftung ein bleibendes gesellschaftliches Vermächtnis zu hinterlassen“, so Peter D. Dornier.
Seit dem Tod von Peter Dornier im Jahr 2002 führt Maja Dornier als Vorsitzende die Geschicke der Stiftung, die nicht operativ, sondern rein fördernd tätig ist. Unterstützt wird sie dabei von Prof. Dr. Wolf Mutschler als stellvertretendem Stiftungsvorsitzenden, ihren Kindern Peter D. Dornier, Kerstin Dornier, Karin Preisser und Aimée Dornier sowie Hans-Jürgen Schmidt und Franz-Peter Matheis, die alle dem Stiftungsbeirat angehören. Wenn Maja Dornier auf die 40 Stiftungsjahre zurückblickt, sagt sie: „Ich freue mich jeden Tag, wenn ich sehe, was aus der Vision meines Mannes geworden ist – dank der vielen Menschen, die hinter den einzelnen Projekten stehen und sich dafür einsetzen.“
Mit der nächsten Generation im Stiftungsbeirat ist auch die Zukunft der Stiftung gesichert: Die Familie wird die Vision des Stifters weitertragen – mit neuen Projekten, zeitgemäßen Akzenten und der Aussicht, dass auch die Enkelgeneration nach und nach in die Stiftungsarbeit hineinwächst. „Die Gesellschaft ändert sich – da muss man mitgehen“, sagt Maja Dornier. Ein wichtiger Grundsatz der Stiftung soll dabei unbedingt erhalten bleiben: Förderanträge sorgfältig darauf zu prüfen, ob sie vor Ort tatsächlich umgesetzt werden können. Gerade weil die Peter Dornier-Stiftung bevorzugt kleinere Projekte fördert, die ansonsten kaum realisierbar wären, liegt ein besonderes Augenmerk auf dem persönlichen Engagement der Antragstellerinnen und Antragsteller. „Nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit mit Stiftungen weiß ich: Entscheidend ist nicht allein die Höhe der Summe, sondern die Haltung dahinter“, sagt Prof. Dr. Wolf Mutschler, der als Chirurg oft selbst vor Ort war. „Bei der Peter Dornier-Stiftung stimmt beides: Hier kennt man die Menschen und Projekte, die man unbürokratisch fördert und langfristig begleitet.“